Blockheizkraftwerk Fuggerstraße – Wie passen Klimaneutralität und das Bauvorhaben in LA West zusammen?

Beitrag von Korbinian Nachtmann, treuer Stadtwerkekunde seit 35 Jahren

Gestern erhielt ich das „NetzWerk-Kundenmagazin Nr. 31“ der Stadtwerke Landshut. Auf Seite 12 musste ich voll Verwunderung von dem Vorhaben der Stadt lesen, ein gasbetriebenes BHKW in der Fuggerstraße zu errichten. Das bestehende Fernwärmenetz auf Biomassebasis für Bestandsgebäude ist ökologisch ohne Zweifel unterstützenswert und weiter auszubauen.

Die Stadt Landshut möchte bis 2035 die Klimaneutralität erreichen und errichtet 2022 Neubauten, welche nicht im Plus-Energie-Standard oder
zumindest im Passivhausstandard ausgeführt sind (der angestrebte Energiestandart Realschule Münchnerau ist mir nicht bekannt)? Ich frage Sie, wie passt dies zusammen? Ich gehe von einer Nutzungsdauer von 40 Jahren aus. In diesen 40 Jahren werden eine Reihe von Kindern zu
Erwachsenen geformt. Dem Klimawandel entgegenzutreten und zu bekämpfen ist die wohl größte Aufgabe des 21 Jahrhunderts. Hier hätten Sie die Möglichkeit mit einem innovativen Energiekonzept am Standort die Schüler*innen praxisnah zu unterrichten. Warum wird diese Möglichkeit nicht genutzt und stattdessen ein Kraftwerk auf Basis fossiler Energien errichtet?

Ihr aktuelles Strompreisblatt (Stadtwerke Landshut) gibt Emissionen von 205 g CO2/kWh Strom vor. Eine kWh Erdgas besitzt einen Emissionsfaktor von ca.213 g CO2. Es ist also heute schon ökologisch besser, eine kWh Strom in eine kWh Wärme umzuwandeln als Erdgas in einer Therme/einem BHKW zu verbrennen. Der Methanschlupf des BHKW ist dabei noch gar nicht miteingerechnet. Gleichzeitig bieten moderne Wärmepumpen bei einem COP von 5 die Möglichkeit Gebäude im Sommer zu kühlen und im Winter zu beheizen. So können Sie mit 6 kWh Strom aus Erneuerbaren Energien 4 kWh Strom direkt nutzen und 2 kWh in ca. 10 kWh Wärme umwandeln. Die Emissionen betragen 0 g CO2 (ÖkoMax oder PV-Strom vom Schuldach). Nehmen Sie hingegen 6 kWh Erdgas, so erhalten Sie nur 2,5 kWh Strom und 2,5 kWh Wärme bei CO2 Emissionen von ca. 1200 g. Das ist Ihnen bekannt, dennoch entscheiden Sie sich für den Bau eines BHKW. Ein BHKW mit einer Feuerungswärmeleistung von 2000 kW und 5000 Betriebsstunden wird jährlich 2130 t CO2 emittieren.

Wenn Sie die neue Realschule an das Fernwärmenetz anschließen, werden vermutlich Vorlauftemperaturen von 110…130 °C angestrebt. Ein späterer Umstieg auf Wärmepumpentechnik wird aufgrund zu hoher Vorlauftemperaturen und der damit einhergehenden fehlenden Wärmetauscherflächen nahezu unmöglich.

Die Möglichkeit Wasserstoff beizumischen trägt, wenn überhaupt, nur in sehr geringem Maße zu einer besseren Klimabilanz bei, da zuerst Bestandsanlagen auf Wasserstoffbetrieb umzurüsten sind und jeglicher Neubau bereits bestmöglich „Klimaneutral“ zu errichten ist. Aktuelle Studien gehen nicht davon aus, dass sich die Wasserstoffwirtschaft kostengünstiger als Wärmepumpentechnologien bis 2030 etablieren wird.

Gleichzeitig sind sehr viele Beispiele bekannt, in welchen Passivhausstandard oder sogar Plus-Energie-Standard bei Neubauten von Schulen ohne nennenswerten Mehrkosten möglich waren (https://www.geb-info.de/ ). Lebenszykluskostenanalysen nach LEGEP (König)
bestätigen die Ergebnisse.

Ich würde mich freuen, wenn mir Herr Bardelle als Leiter der Stadtwerke oder Herr Obermeister Putz als sein Dienstherr ihre Gründe für eine
solche Entscheidung mitteilen könnten.

One thought on “Wie passt das zusammen?

  1. Ich habe diesbezüglich mit einem Fachmann der Stadtwerke Landshut ausgiebig telefoniert, wollte aber eigentlich den Rückruf vom Leiter des Werksausschusses Dr. Haslinger. Stattdessen erhielt ich eine alternative Person für den Rückruf.
    Meine Sicht ist:
    Die Entscheidung für Erdgas ist eine Entscheidung gegen die mittelfristig anvisierte Klimaneutralität. Es gäbe bessere dezentrale Lösungen z.B. mit Wärmepumpen, betrieben mit kostengünstigen und ökologisch sauberen Öko – Wärmestrom, den auch die Stadtwerke anbieten. Ökowärme – Strom hat die angenehme Nebenwirkung, er darf im Gegensatz zu (Öko -) Haushaltsstrom im Winter einige Zeit weggeschalten werden bei Spitzenstrombedarf woanders. So müssen die Stromanbieter bei Spitzenstrombedarf nicht teuer und ökologisch nicht sinnvoll Strom woanders zukaufen, z.B. aus Speicherkraftwerken.
    Das wäre ein ökologisch äußerst begrüßenswerter Nebeneffekt der sich automatisch ergibt beim Einsatz modernen Wärmepumpenanlagen in gut isolierten Neubauten mit ihren sehr niedrigen Vorlauftemperaturen von z.B. 30 ° C.

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