Klimavision für Ergolding: Klimavorsorge ist wichtig

Seit dieser Woche hat Ergolding seine eigene „Klimavision“. Das Dokument der Organisation German Zero, das Annette Theißen, Evi Hierlmeier und Prof. Dr. Faber, Aktivist.innen bei Landshut muss handeln, Bürgermeister Andreas Strauß überreichten, beschreibt mit Zahlen und Fakten, was auf Ergolding durch den Klimawandel zukommt. Fazit: Es gibt viel zu tun, aber ein Anfang ist gemacht.

Zuallererst die Topnachricht der Woche für alle Ergoldinger Bürger.innen, die sich um das Klima Gedanken machen: Der „Klimaaktionsplan“ für Ergolding wird in Auftrag gegeben, der Bescheid für die Förderung des Klimaschutzkonzepts ist da. Während Landshut immer noch darauf wartet, freut sich Klimaschutzmanager Thomas Kuntscher, schon bald loslegen zu können. Jetzt ist er erstmal neugierig, inwieweit sich die Berechnungen der „Klimavision“ von German Zero mit dem offiziellen Klimaaktionsplan decken werden, die das Ingenieurbüro innerhalb des nächsten Jahres ermitteln wird.

Ein erster Blick in das Dokument zeigt, dass große Herausforderungen auf die Gemeinde zukommen: 640 Millionen Euro, prognostiziert die „Klimavision“, wird Ergolding — also Gemeinde, Bürger.innen und Gewerbe — in den nächsten zehn Jahren gemeinsam investieren müssen, um den Ort für die Veränderungen durch die Klimaerwärmung zu rüsten. Auch für eine wohlhabende Gemeinde ein ganz schöner Batzen.

Für Überraschung sorgte ein weiterer Wert: Die 670 Millionen Euro, die anfallen würden, wenn Ergolding keine weiteren Maßnahmen gegen den Klimawandel ergreift. „Diese Zahlen habe ich bisher so noch nicht gesehen“ räumt der Bürgermeister ein. „Es zeigt allerdings, dass sich eine ‘Klima-Prophylaxe’ durchaus rechnet“.

Zwei wichtige Gruppen muss die Gemeinde überzeugen und mitnehmen: Das sind einmal die 5.500 Haushalte Ergoldings und zum zweiten die ansässigen Industrie-Unternehmen, die als große CO2-Emittierer bei Maßnahmen und Finanzierung klar in die Pflicht genommen werden. Um sicher zu stellen, dass Gemeinde und Firmen an einem Strang ziehen, pflegt Strauß eine enge und regelmäßige Zusammenarbeit mit der Industrie. „Das sind sozusagen meine besonders wichtigen A-Kunden“, zieht der Bürgermeister einen Vergleich. „Wir treffen uns etwa mit BMW einmal im Quartal zu Strategiebesprechungen und tauschen uns über aktuelle Themen mit den Führungskräften aus“. Dabei sieht er Firmen wie BMW in Sachen Nachhaltigkeit durchaus als kreative Vorreiter, von denen sehr gute Ideen kommen.

Eine noch diffizilere Aufgabe, die viel Kreativität und Einfühlungsvermögen voraussetzt, erwartet Strauß und Kuntscher dabei, die Bürgerschaft auf dem Weg in die Klimaneutralität mitzunehmen. „Die Erfahrung zeigt, dass die Bürger.innen am einfachsten zu Energiesparmaßnahmen zu bewegen sind, wenn es sich für sie rechnet. Das mag man sich anders wünschen, aber es ist die Realität. Deshalb überlegen wir permanent, wo sich Anreize schaffen lassen“, betont der Bürgermeister. Mit dieser Gewissheit hat sich die Gemeinde Ergolding in den letzten Jahren ohnehin schon als wahrer Förderprogramm-Weltmeister hervorgetan. Die Bürger haben eine große Auswahl, angefangen bei Förderungen für PV-Anlagen und Gebäudedämmungen bis hin zum Zuschuss für E-Bikes. „Wir wurden von anderen Gemeinden dafür anfangs nicht ganz ernst genommen und schräg angeguckt. Aber jetzt ziehen viele nach. Das freut uns natürlich“, erzählt Kuntscher.

Neben diesem finanziellen Ansporn setzt der Bürgermeister auf Bürgerbeteiligung als Überzeugungsargument. „Wer kennt Ergolding am längsten und am besten?“ fragt Strauß. „Ganz klar, die Bürger.innen“. So ist fest eingeplant, zuerst mit den Bürger.innen zusammen Ideen zu sammeln, wie und welche Klimamaßnahmen zur Gemeinde passen. Darauf folgend werden in Bürger-Workshops Lösungen erarbeitet.

Strauß sieht auch klare Verantwortung bei Politik und Expertengremien. Denn schließlich könnten manche komplexen Zusammenhänge nur von ausgesprochenen Experten eingeordnet werden, um dann die richtigen Maßnahmen gegen die Klimabedrohung zu ergreifen. „Diese Aufgabe kann kein Bürger und keine Bürgerin leisten. Deshalb stehen wir als Politiker.innen in der Pflicht, Zusammenhänge und Potenziale zu erkennen und richtig zu reagieren.“ So erweist sich etwa für Flächengemeinden wie Ergolding ein breites Feld zur CO2-freien Energiegewinnung über Freiflächen PV-Anlagen entlang von Infrastrukturanlagen wie Bahn und Autobahn. „Das ist zulässig und stört keine sensiblen Landschaften.“ 400.000 qm PV-Fläche ist derzeit rund um Ergolding schon realisiert bzw. in Planung, möglich sind laut Strauß auf den gesetzlich privilegierten Flächen insgesamt 1,7 Millionen qm. Da ist noch Luft nach oben.


Eine Klimavision für jede Gemeinde

Mit dem Online-Klimarechner „Local Zero“ kann sich ab sofort jede Gemeinde kostenlos ihre ganz individuelle Klimavision berechnen lassen. Sie liefert Fakten und Zahlen, die zeigen, wie etwa Ergolding oder Landshut klimaneutral werden können.

Die „Klimavision“ kann sich jede Gemeinde aus dem Internet herunterladen unter: https://germanzero.de/loesungen/localzero oder Interessent.innen melden sich bei Landshut muss handeln unter info@landshut-muss-handeln.de.

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